endlich einmal wieder aus der reihe ‘kuriose erlebnisse in schweden’ ist der folgende artikel:
angenommen, man wohnt in schweden und stellt eines tages fest, dass sich der eigene bauch seltsam verhält und nachdem er dieses spielchen mehrere wochen mit einem gespielt hat, beschließt man, dann wohl doch besser mal einen arzt aufzusuchen.
nachdem das schon das erste mal nicht funktioniert hat, will man natürlich dieses mal schlauer sein und ruft schon am montag nachmittag in der vårdcentrale an, in der hoffnung, am nächsten tag einen termin zu bekommen. nach 10 minuten warten wird einem dort mitgeteilt, man solle am nächsten tag um 8 noch einmal anrufen, da dann die termine für den tag vergeben werden.
man geht also extra früh ins bett, um am nächsten morgen fit und ausgeruht um punkt 8 dort anzurufen. dies ist aber völlig unmöglich, da laut stimme vom band die warteschlange zu lang ist. man solle es später noch einmal versuchen.
versucht man es eine halbe stunde später, so landet man auf warteschlangenplatz 13, was eine wartezeit von exakt 40 minuten bedeutet. am ende dieser 40 minuten wird einem mitgeteilt, dass man ohne schwedische personennummer und ohne akute beschwerden nicht mit einem termin innerhalb der nächsten 3 wochen rechnen kann. aber man solle es doch mal in der privatklinik blabla versuchen, von der einem freundlicherweise die nummer mitgeteilt wird.
bei privatklinik blabla landet man dann auch nur auf warteschlangenposition 9, was dort nur ca. 20 minuten warten entspricht, die man ja gerne auf sich nimmt, in der hoffnung auf einen baldigen termin in einer goldvertäfelten privatklinik. den bekommt man aber natürlich nicht, da dort generell keine termine an ausländer ohne personennummer vergeben werden. aber man solle doch einfach mal ins krankenhaus gehen.
da man weiß, wie die notaufnahme im lunder universitätssjukhuset aussieht, spart man sich diesen aussichtslosen weg und ruft auf der servicenummer 1177 an. dort wartet man auch nur 13 minuten und schon wird einem ein medikament mitgeteilt, dass man ja mal nehmen könnte und außerdem bekommt man noch die nummer der jourcentralen, welche aber erst um 17 uhr aufmacht. dort könne man dann ja anrufen und dort bekommt man dann sicher einen termin.
mittlerweile hat man 2 stunden seines wertvollen vormittages am telefon verbracht und mehrere euro in die warteschlange geschmissen.
just in diesen sekunden des artikelschreibens (es ist 1719) wartet man darauf, bis die telefonschlange kurz genug ist, dass man sich hinten anstellen kann und man nicht sofort wieder rausgeworfen wird.
man ist gespannt auf die weitere entwicklung, über die ich selbstverständlich berichten werde.
in der zwischenzeit möchte ich anmerken, dass ich mir heute schon einmal vorsorglich einen mumienschlafsack (haglöfs zleep 1200) gekauft habe, in dem ich dann bitte beerdigt werden möchte, wenn es sich hier in schweden tatsächlich als unmöglich herausstellen sollte, jemals einen arzt zu sehen.
manchmal wundert man sich ja schon über das leicht verzerrte bild skandinaviens im ausland. das vielseits gelobte universitätssystem stellt sich im wahren studentenleben dann doch als vielleicht nicht unbedingt das perfekte heraus.
und das gesundheitssystem? kein wunder, dass hier niemand krank ist, wenn es so wenig spaß macht, krank zu sein. das ist natürlich eine geschickte taktik, die kranken durch mangelnde medizinische versorgung einfach sterben zu lassen, so dass der rest des volks gesund bleibt und die statistik lacht sich mal wieder ins fäustchen.
genau so ist es übrigens auch mit der raucherstatistik. es wird kaum geraucht in schweden, das ist wahr und wirklich unheimlich angenehm (meine kleidung und lunge sagen tack). aber dafür stopft sich jeder männliche schwede (und auch einige weibchen) mehrmals pro tag ein im kochbeutelchen verpacktes tabak_salz_gemisch unter die oberlippe, das sich snus nennt und einen ungeübten snuser wie mich auf der stelle nikotinmäßig total umhaut. gute nacht gleichgewichtssinn.
mittlerweile ist es 1734 und ich bin endlich in der schlange auf platz 12 eingestiegen, aber nach 4 minuten auf der selben position warten wird es mir zu doof und ich bin wieder raus.
bis 2000 ist es absolut unmöglich, überhaupt auch nur in diese schlange reinzukommen, ich gebe also hiermit feierlich auf und wickel mich in meinen mumienschlafsack, das nahe ende erwartend.
auf wiedersehen schöne welt.
adjö mit ö.