pfunkelferd blåg

Steuerfahnder kennen das geheimnis der computerseele

April 19th, 2008

Wie bereits in vorherigem katastrophenbeitrag erwähnt, entschloss sich der server, auf dem dieser ganze spaß inklusive meinem postfach statt findet, am dienstag morgen zu seinem spontanen ableben. Nach einer wartezeit von sage und schreibe 78h ist er nun aber wieder bei vollem bewusstsein mit neuem körper aber altem gedächtnis, was ich sehr löblich finde. Ich unterlasse es, an dieser stelle etwas von der wichtigkeit eines privaten datenbackups zu faseln, damit wurde man ja in der grundschule schon lange genug zugeschwallt.
Grund für den tod des servers waren laut der extrem verspäteten informationsmeldung auf der homepage meines hosters Tibit “angriffe auf nicht aktuell gehaltene Joomla-installationen”. Das problem war also “diesmal leider kundenseits verursacht”. Da denkt man sich als kunde natürlich:
“Klar, wenn das problem kundenseits verursacht wurde, dann warte ich gerne einmal 78h, bis alles wieder funktioniert, denn schließlich ist ja der böse übeltäter nicht der hoster, sondern ein kunde, also sozusagen ich selber!”
Sehr interessant fand ich dann auch den folgenden satz:
“Wir werden die komplette hardware auf server 2 austauschen um weitere probleme zu vermeiden.”
Schön, dass man bei Tibit erkannt hat, dass sich die seele eines computers nicht in so abstrakten dingen wie daten auf der festplatte versteckt, sondern in dem metall und den halbleitern der hardware selber. So wie man einen kampfhund erschießt, der einmal ein babyköpfchen geknackt hat, ist es also nur logisch und konsequent gleich den ganzen server zum teufel zu jagen, wenn ein kunde mal vergessen hat, sein wöchendliches Joomla_update durchzuführen.
Andere leute, die diese sache mit der in der hardware steckenden seele schon lange vertanden haben, sind die polizisten der steuerfahndung, die grundsätzlich, wenn sie unternehmen durchsuchen, auch monitore und tastaturen mit in ihre grünen VW_bullys tragen. Mittlerweile denke ich aber, dass sie das absichtlich aus trotz machen und sich abends beim wohlverdienten polizistenfeierabendbier jedesmal köstlich darüber amüsieren, dass sämtliche Tagesschau_zuschauer denken, sie seien völlig unterbelichtet.
Sehr viel gute haare möchte ich trotzdem an meinem lieben hoster Tibit lassen. Mal davon abgesehen, dass das, was der durchschnittlich gebildete bundesbürger als “service” versteht, praktisch nicht vorhanden ist, bietet dieser Hoster ein sehr großzügiges paket zu einem sagenhaft günstigen preis. Bei 55 cent / monat würde ich schließlich auch jede kundenmail drei mal umdrehen, bevor ich auch nur daran denken würde, sie zu beantworten.

Freilich gar nicht beantworten würde ich emails, litte ich an easiophobie. In einigen tagen wird es so weit sein.
Aus solidarität zu unseren ängstlichen mitbürgern entschloss ich mich nämlich am dienstag, die liste der phobien einmal komplett von vorne bis hinten durchzuarbeiten. Am dienstag hatte ich ablutophobie, was nichts mit bluten zu tun hat, sondern mit der angst vor dem waschen. Wer mich kennt kann sich vorstellen, dass dieser tag nicht allzu angsterfüllt verlief. Weiter ging es am mittwoch mit der abortphobie, die wiederum nichts mit toiletten zu tun hat, sondern die angst vor einer fehlgeburt darstellt. Das war schon ungleich dramatischer, huiuiui. Zum glück ist nun auch das schon wieder vorbei und ich gelangte gestern zur acerophobie, bei der man angst vor allem sauren hat. An diesem tag machte ich alles falsch, kaufte saure sahne, ich trottel, trank sauren tee und am abend sogar noch sauren wein. Aber ich fürchtete mich gar fürchterlich davor. Heute habe ich angst im dunkeln. Noch scheint die sonne. Ich bin gespannt.

Gespannt war ich auch darauf, was mich in der Stabi erwarten würde, deren lesesaal ich gestern das erste mal in meinem leben besucht habe. Ja, es ist wahr, erst jetzt, in den letzten universitätszuckungen meines lebens, werde ich zum echten studenten. Vielleicht fange ich bald auch noch damit an, mich nachmittags bei pappbecherkaffee im E_garten zu räkeln und wenn alles geschmiert läuft, lerne ich auch noch die schwierigste studentische disziplin: Sich eine SZ vom SZ_promoter zu schnappen und sich daraufhin von diesem nicht 20min zulabern zu lassen.
Zurück zur Stabi. Diese wird ja von jedem unwissenden zeitungsredakteur regelmäßig als “der größte laufsteg Münchens” bezeichnet und sogar als ich neulich auf der jetzt_seite der zulaberungsreich geschnappten SZ einen artikel über die Stabi las, musste ich feststellen, dass dort genau das gemacht wurde, was man von der dämlichen jetztjugendseite erwartete, nämlich voll in die bereits vorhandene kerbe hineingeschlagen wurde, anstatt einmal mit diesem völlig abwegigen cliché aufzuräumen.
Natürlich, angenommen ich wäre jetzt_redakteur und sollte etwas über die Stabi (den größten laufsteg Münchens, hihi) schreiben, dann würde ich mich dort natürlich reinsetzen und siehe da, dort laufen tatsächlich einige gar nicht mal so unattraktive knaben und mädchen im mittelgang umher und schon würde ich den klappcomputer zuklappen, um mich befriedigt pfeifend mit einen pappbecherkaffee in den E_garten zu legen.
Ja, in drei teufels namen, was sollen die armen studenten denn machen, außer so gut auszusehen wie sie der liebe Gott nun einmal aus irgendeiner rippe schnitzte und wenn sie auf’s klo müssen oder ein mörchen bei den schließfächern knabbern möchten, dann muss nun einmal der mittelgang durchschritten werden, unter dem teppich durchzukriechen würde ungleich länger dauern. Dass das eine frage der sichtweise ist, haben sich die achso kontrovers denkenden zeitungsredakteure wohl noch nie gedacht.
Ich für meinen teil sah sehr viele fleißig arbeitende studentchen, emsig vor ihren computern und büchern kauern, ohne große ambitionen, in die fußstapfen von Heidi Klum zu treten. Außerdem sah ich niemanden ständig heulen und das ist ja wohl der entscheidende knock_out_beweis, dass es sich bei der Stabi nicht um ein etablissement der haute couture oder ähnliches handeln kann.
Doch spätestens jetzt kommt natürlich der punkt, an dem sich alles umkehrt und ich zugeben muss:
Was war ich begeistert! Denn natürlich habe ich mich doch umgeschaut. Diese studenten! Was haben die für feine schühchen und tüchlein an. Einjedem in diesem raum hätte ich gerne die goldmedaille für studentisches stilbewusstsein an’s revers geheftet, in der hoffnung, am abend noch auf eine studentenparty eingeladen zu werden, auf der studentenbier getrunken und studentenmusik gehört worden wäre (Sportfreunde Stiller und Wir Sind Helden).
Dass menschen in universitätsbibliotheken gar so schön anzusehen sind ist durchaus keine selbstverständlichkeit, das weiß der, der ab und zu seine kostbare zeit in einer bibliothek der TUM verbringen musste. Denn dort gibt es keinen studentischen stil. Um die sache auf den punkt zu bringen: Dort gibt es natürlich auch keine mädchen mit schühchen und tüchlein. Dort gibt es nur – halt!
Ich möchte mich nicht negativ über meine mitstudenten und mitstudentinnen (haha) äußern. Dazu besteht kein anlass und außerdem könnte dies hier mein zukünftiger arbeitgeber lesen, denn der arbeitgeber hat seit neuestem das internet für sich entdeckt.

Deshalb gibt es auch das dubiose portal XING, bei dem premium_mitglieder 5,95 öre im monat bezahlen, nur um zu sehen, wer auf ihr profil geklickt hat. Das finde ich fair.
Natürlich habe ich mich sofort angemeldet und habe nun auf anhieb schon 16 wichtige businesskontakte geknüpft.
Natürlich wurde ich auch sofort von diversen halbaffen angeschrieben, ob ich nicht auf ihre afterwork_network_veranstaltungen kommen möchte, doch ich sagte nej tack.
Bis ich in so einem Mercedes, in den man hinten seine anzugjacke hängen kann, herumfahre und zu solchen einladungen ja tack sagen werde, wird wohl mindestens noch ein jährchen vergehen. Bis dahin radel ich auf meinem rostigen Motobecane fahrrad durch µnchen und erfreue mich der dort beobachtbaren skurrilitäten.

Als ich nämlich von der Stabi heim fuhr, wurde gerade der grasstreifen an der Implerstraße sommertauglich gemacht, also gemäht. Erst sah ich einen menschen, der mit einem handelsüblichen gartenrasenmäher eine 1m² große rasenfläche mähte. Viel zeit zum freuen über diesen kuriosen anblick blieb mir nicht, da gleich der nächste rasenfleck ein noch schöneres bild bot. Hier stand ein riesiges rasenmähgefährt auf einer fläche, die es gerade einmal ganz bedeckte.
Was den städtischen µnchner rasen angeht, wird also mit kanonenkugeln auf spatzen geschossen, ein zeichen dafür, dass es unserer schönen stadt trotz der gesamtverschlechterung von allem und jedem noch recht gut geht.
Dieses erlebnis werde ich mir bei zeiten noch vom örtlichen erlebnisbestätigungsamt bescheinigen lassen, so wie in dem hervorragenden Katz&Goldt comic geschehen.

Dieser beitrag möchte bitte als der längste bisher in einem deutschsprachigen blog veröffentlichte in die analen der geschichte eingehen, insbesondere auch wegen des äußerst beknackten wortspiels gegen ende.
Hinweisen möchte ich an dieser stelle auch auf eine funktion, die den schönen namen “kommentieren” trägt. Denn gespannt bin ich ja schon, ob es tatsächlich menschen gibt, die diesen beitrag ganz zu ende gelesen haben. In diesem fall möge sich der leser bitte anerkennend selber auf die schulter klopfen und sich als kleine belohnung den kurzfilm zum neuen Notwist lied Where In This World ansehen. Das wird gut, das neue album, ohoh, wird das gut!

Das tragische ableben des geliebten pfunkelservers

April 18th, 2008

Liebe Trauergemeinde,
wie vielleicht schon der ein oder andere bemerkt hat, funktionierte pfunkelferd.de seit dienstag morgen nur noch etwa so gut wie das amerikanische wahlsystem, nämlich gar nicht.
Weitere details hierzu in meinem bald folgenden beitrag.
Leider war es mir in dieser zeit natürlich auch nicht möglich, emails zu empfangen. Falls mir jemand wichtige kochrezepte oder niedliche babyfotos geschickt hat, bitte ich hiermit ausdrücklich darum, dies zu wiederholen.
Die ganze sache ist wirklich mehr als ärgerlich, aber da ich aus sicherer quelle erfuhr, dass ärgern so dermaßen nineties ist, werde ich dies in zukunft unterlassen.
Vielen dank für ihr verständnis.
Bussi
/painted

rivers will all turn to blood / frogs will fall from the sky / and the plague will rage through the countryside / lalalala