Hinter polnische gardinen geraten und erfolgreich mausgebüxt
Wie bereits angedroht, beschäftigt sich dieser nun folgende artikel mit meiner erfolgreichen touristischen dienstreise ins befreundete nachbarland Polen, genauer gesagt, ins wilde Krakówistan. Mein gastgeber war Tommi, ich bedanke mich an dieser stelle ein weiteres mal auf’s herzlichste.

Man hätte sich bereits bei der wahl der ubahn nach Fröttmaning denken können, dass es keine gute idee ist, eine zu wählen, die 5min vor abfahrt des busses dort ankommt, aber ich liebe das risiko und so hüpfte ich sekunden vor der abfahrt noch auf einen der zahlreichen freien plätze, warf meinen hut in das gepäcknetz (gutes wort, wenn auch eher gepäckablage) und wartete auf die dinge die da kamen.
Und es kam: 2min nach abfahrt ein polnischer film von gar lausiger qualität, irgendeine liebeskriminalkomödie.
Was ich nämlich nicht bemerkte: Bereits sofort nach betreten des busses befand ich mich in Polen. Die deutsche sprache suchte man vergeblich in diesem bus, auch dem busfahrer konnte man nur mit mühe und not einige deutsche wortfetzen aus dem mund betteln. So kam es, dass bereits Ingolstadt ausschließlich auf polnisch angekündigt wurde und – viel schlimmer – ebenso die tatsache, dass man nach Kraków umsteigen müsse. Durch großes glück und eigeninitiative erfuhr ich hiervon noch in letzter sekunde und wechselte geschwind das gefährt, wer weiß, in welcher russischen kleinstadt ich mich sonst nun befände.

Da ich schon einmal bei der polnischen sprache bin: Diese ist auf papier leider durch das ausschreiben all ihrer zischlaute wahnsinnig ineffizient. Die haltestelle an der ich wohnte, hieß zb Mistrzejowice. Ich bin mir sicher, dass der einzige grund, aus dem Polen noch nicht ganz oben im großen pokerspiel der nationen mitturnt, der ist, dass zb wenn ein pole anfängt, ein patent zu tippen, in der zeit bis zur fertigstellung schon mindestens drei mitstreiter und sprecher einer nicht_zischlaut_sprache ein identisches patent schnell heruntergetippt haben, in ihr örtliches patentamt gesnakeboardet sind und es dort eingeworfen haben, während der bemitleidenswerte Pole noch immer an der reihenfolge seiner zischlautbuchstaben verzweifelt.
Wäre unser polnischer erfinder nun einer der wenigen, welche der englischen sprache mächtig sind, aber einer der vielen, die kein auto besitzen, würde ihm dieses können auch nicht sehr viel weiter helfen, da er beispielsweise mit der tramlinie 14 eine dreiviertelstunde in die stadt braucht für eine strecke, die der motorisierte pole in 5min zurücklegt.
Verzweifelt würde er sich nun also gerne die haare raufen, aber dies ist leider nicht möglich, da die polnische kommission zur vermeidung von stil und geschmack schon vor jahren folgende leichtverständliche und verbindliche regel aufgestellt hat:
Die haare eines jeden jungen polens dürfen eine länge von 3cm nicht überschreiten. Selbige regel gilt für die hosen junger polinnen. Für die hosen junger polen gilt wiederum: Sie müssen camouflage_gemustert sein.

Ich möchte an dieser stelle all jenen gratulieren, die diesen artikel bis hierhin durchgelesen haben und sich bisher noch nicht angewidert von meiner bescheidenen homepage abgewendet haben. Angewidert von der aus diesem artikel sprudelnden oberflächlichkeit und arroganz gegenüber anderen nationen.
Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist, möchte aber anmerken, dass selbstverständlich kein einziges pfunkelferdeskes wort jemals meine tatsächliche meinung zum ausdruck gebracht hat, geschweige denn auch nur irgendetwas hier jemals mit der wahrheit zu tun hatte.

Es geht nun aber trotzdem weiter im text, denn stillstand bedeutet stillstand!
Bereits in einem meiner ersten artikel berichtete ich von dem schwedischen preisniveau und möchte nun dieses thema für Polen auch nicht unangetastet lassen. In kurzform: Alles ist völlig normal teuer, vieles sogar teurer, zb kostet der döner auf Krakaus straßen ganz genauso wie im heimischen etepetete_µnchen gute 3 europäer. Ein weiterer schock: Eine dose gefüllt mit ganz normalem polnischen bier kostet im billigmarienkäfersupermart Biedronka 2,4 zloty, das sind skandalöse 70 cent und so weiter und so fort, nur dienstleistungen und so geschichten scheinen deutlich günstiger zu sein, zb das bus_ und tramfahren ist ein preislicher traum, auch wenn es schon einmal passieren kann, dass der busfahrer seine hintertür per hand zudrücken muss, weil diese nicht mehr richtig schließt.

Wesentlich besser als bustüren schließt in Polen ein ganz anderes tor, nämlich dieses, um welches es in diesem abschnitt gehen wird. Hiermit nähern wir uns übrigens schon dem höhepunkt dieses beitrags, man darf also bald auch wieder aufatmen und sich die krawatte lockern.
Als kleine einleitende auflockerungsübung fragte ich sämtliche menschen, denen ich die folgende geschichte erzählte, was denn wohl der mit abstand dümmste ort ist, an dem man sich einsperren lassen kann. Ich erhielt zwar viele schöne antworten, aber nicht dir richtige.
Denn diese lautet: In eine grotte. Jawohl, es ist wahr, eine kindheitshorror_ und _wunschvorstellung wurde wahr. Ich erlebte ein TKKG_ähnliches abenteuer.
Und das ging so:
Mit meinem gastgeber teile ich offenbar eine große zuneigung gegenüber grotten, gepaart mit einer großen abneigung gegenüber kostenpflichtigen führungen in solchen. So beschloss man erst einmal den blauen und dann den gelben spazierweg durch den wunderschönen Ojców nationalpark zu spazieren, um dann später nachzusehen, ob die grottenkassenhütte noch geöffnet ist. Als man dies tat, stimmte man darin überein, dass alle ereignisse vor der grotte nach baldigem dienstschluss aussahen: Ein vereinzeltes pärchen saß noch herum und in der hütte räumte man scheinbar gerade auf und schloss ab. Der ideale zeitpunkt also, um das schmiedeeiserne tor zu überklettern und innerhalb von sekundenbruchteilen mit einer ungefähr 3m langen maglite ausgestattet in die dunkelheit der grotte einzutauchen.
Dort war zum glück das licht sogar noch eingeschaltet und man konnte in aller ruhe und glückseligkeit die grottigkeit der grotte bewundern. Nach einigen minuten hörte man überraschenderweise doch noch schritte und stimmen, es war wohl das pärchen, das noch eine letzte privatführung bekam. Natürlich versteckte man sich sofort in dem zuvor ausgespähten versteck und wartete eine gute zeit, bis sich schritte und stimmen wieder näherten und dann für immer verschwanden.
Jetzt war natürlich auch schon langsam genug gegrottet, also verließ man das versteck und tappste durch die nun komplett entleuchtete grotte richtung ausgang.
Doch unsere rechnung machten wir nicht mit dem extra_gittertor, das die wächter der grotte kurz vor die leicht überwindende tür eingehängt hatten, von der wir dachten, sie sei die einzige grottensicherheitsmaßnahme.
Der schock saß tief, doch vor allem saß er. Da wir auf eine grottenübernachtung keine allzugroße lust hatten, blieb uns nichts anderes übrig als laut zu rufen und uns auf eine schamvolle begegnung mit den grottenobrigen einzustellen. Doch diese kamen nicht. Stattdessen kamen uns ideen. Mobiltelefon? Ging nicht. Werkzeug? Gab es! Und das zu hauf.
Also wurde geklopft und gehebelt, vor allem gehebelt, bis zwei schweißnähte platzten und unsere wohlgeformten köpfe und hinterteile durch das durchaus robust geschmiedete tor passten.
Ein wunderschönes abenteuer, von mir leider nur völlig lückenhaft fotografisch dokumentiert, aber ausreichend um einen kleinen eindruck unserer mausbüxung zu bekommen.

Abschließend erwähnen möchte ich:
Wer zwei junge kater mit ADHS in seiner wohnung hält, sollte dafür sorgen, dass alles mit sekundenkleber festgeklebt ist, aber vor allem auch, dass sich ein katzeklo in der wohnung befindet, wenn den katzen verboten ist, die wohnung zu verlassen. Befolgt man diese vermeindlich allgemein bekannten ratschläge nicht, droht chaos und verwüstung, wie nach einem dritten weltkrieg, der mit katzenexkrementen ausgetragen wurde. Herr Einstein, ich habe da so einen verdacht, was vor stöcken und steinen kommen wird. Schrecklich wird das!
Einfach herrlich, ich lache immer noch, ich schicke gleich einen Link an alle! Es war mir eine Freude dich beherbergen zu dürfen! Schönen Gruß aus Kraków! Tommi
Juni 22nd, 2008 | #
Wie es scheint mal wieder eine herrlich gelungene “Malte-Reise”! War nett zu lesen! Grüße
Juni 24th, 2008 | #
warum kann man hier nicht in die kefa klappen schauen?
Juni 26th, 2008 | #
nr. 2.2
zensur ist keine antwort
Juni 28th, 2008 | #
Nein, du hast recht.
Aber “weil ich nicht überall kefa_klappen hinmachen kann” ist schon eine antwort, finde ich. Außerdem haben kefa_klappen wenig mit obigem Kraków_artikel zu tun.
Juni 28th, 2008 | #
solange deckblätter keine comment funktion haben werde ich mir die freiheit nehmen sowohl krakow artikel wie auch jeden anderen mit “wo ist die kefa klappe” fragen zu verschönern.
es fehlen sowieso alle wichtigen klappen.
aber das ist dem autor ja hinlänglich bekannt.
um das hier mal wieder in eine geordnete bahn zu lenken:
gott sei dank konntest du mausbüxen sonst wüsste ich niemanden mehr dem ich bestes brot der W.L.E.T. machen könnte!
Juni 28th, 2008 | #
hallo. dies war das erste mal für den pfunkelpferdjungmann. ein initaler moment? und langsam tauchen diese rosa frageblasen auf. durch was legitmiert sich vorangetipptes?
das kann doch nur die selbstdarstellung zum zwecke der fremdunterhaltung sein. phantasiegießerei. wird sie zu dringlich so forme man sie. hier durch worte und bilder. sich so dem kreuzfeuer der inhaltsfanaten entziehen und trotzdem den eigenen künstlerischen anspruch zu wahren. durchaus elegant. und gelungen. und genehm. und fordernd. ab hier erhebe ich ansprüche.
danke ronja.
ps: mein neurotisches verhalten vorweg. orthografie!
Juni 29th, 2008 | #
haben die kommentare ein verfallsdatum? es waren einst mehr…
September 2nd, 2008 | #
Weniger verfallsdatum als vielmehr einen zu hohen irrelevanzfaktor. Keine bösartigkeit, aber ab und zu muss dieser background noise einfach abgezogen werden um ein hochwertiges signal zu erhalten.
September 2nd, 2008 | #
herrjeh…macht nicht gerade dies einen blog lesenswert? solange nur die persönliche note des verfassers einfließt, ist der wurf vom sogenannten seriösen, professionellen journalismus nicht weit.
nun ist doch aber ein wichtiges, fast schon legitmierendes merkmal eines blogs der aspekt des “user-generated content”. die leserschaft wird als kritiker und kommentator zum wichtigen faktor bei der meinungsbildung. oder trägt zumindest zum charakter eines blogs bei, wie in diesem beispiel. der autor wird seiner absoluten, wenn auch nicht seiner tragenden rolle enthoben. gerade hier liegt für mich der reiz.
man sollte einen blog nicht zu eigennützig führen. immerhin haben auch wir gewisse zeit und aufwand investiert, um unserer pflicht als teilnehmer nachzukommen. darüberhinaus ist meiner meinung nach der besitzer des blogs verpflichtet, das prinzip der netzneutralität auf seine plattform zu übertragen.
aber spass habe ich trotzdem und freue mich auf weitere artikel!
au revoirsky
September 5th, 2008 | #