pfunkelferd blåg

Als Wasserbettbesitzer ist nicht gut Sockenstopfen

Dezember 23rd, 2009

Liebe Weltöffentlichkeit,

aus mir selbst unbekannten Gründen habe ich vor wenigen Minuten beschlossen, dieses von mir teuer angemietete Medium mit neuem buchstabenreichen Inhalt zu füllen. Ich hatte wohl irgendwie so’n Drang dazu. Man mag das – ähnlich wie bei Günters Spätwerk “Letzte Tänze” – gerne unter der Fragestellung betrachten, ob er’s denn noch drauf hat auf seine alten Tage, sofern “er” es denn überhaupt jemals “drauf” “hatte”. Erstaunlich hierbei ist, dass wenn man die Gevatter Google’sche Autovervollständigung verwendet, nach der Eingabe von “Günter” die Vorschläge Wallraff und Jauch noch vor Grass erscheinen. Wer ist dieser Günter Wallraff? Und wer ist dieser Günter Jauch? Das Leben ist voller Rätsel, aber ich habe besseres zu tun, als ihnen allen hinterherzujagen.
Zum Beispiel musste ich nämlich gerade ein nicht näher genannt werden wollendes Kleidungsstück nähen und setzte mich dazu wie üblich auf das bequeme, großflächige und damit zum Nähen sehr geeignete Bett. Dabei fiel mir folgende erstaunliche Tatsache auf: Möchte ich die Nadel ablegen, um einen fachmännischen Knoten in das Fadenende zu binden, so zögere ich jedes Mal einige Sekunden, die Nadel in das Bett zu pieksen, aus Angst, ich könnte es dadurch verletzen. Da stellt sich mir natürlich die Frage: Wäre ich Hindu, hätte ich in meinem früheren Leben ein Wasserbett besessen? Und wie viele Hindus mit Wasserbetten mögen wohl zur entsprechenden Zeit gelebt haben? Wäre ich Reinkarnations-Ahnenforscher, so würde ich mich mit großer Freude auf die Suche nach dem Vorvermieter meiner Seele machen.
Das Leben besteht ganz eindeutig aus viel zu vielen Zöger-Zeiten. Zögern vor der Matratzenakkupunktur, Zögern vor der Wahl der Tageszeit-adäquaten Zahpasta. Wertvolle 20s pro Tag verbringe ich mit der Entscheidung, ob nun morgens Elmex und abends Aronal zu benuten ist oder umgedreht. Warum nur sind sich die Herren Zahnpasta zu fein dafür, eindeutige Symbole auf ihr Zähnenaschwerk zu drucken? Steckt eine größere Verschwörung hinter dieser offensichtlichen Kundenirreführung oder liegt es nur daran, dass beide Tuben (genau wie im Fall der verschiedenen Duff-Biere) sowieso von der Abfüllmaschine mit der völlig identischen weißen Paste vollgestopft werden? Dass man sich bei der Verköstigung trotzdem verschiedene Geschmäcker einbildet, mag daran liegen, dass das Auge sozusagen mitputzt. Deshalb schmeckt die aus einer orangenen Tube gepresste Paste natürlich anders als die aus einer blauen Tube herausgequetschte, ähnlich wie es eine allgemein anerkannte Aldi-Weisheit ist, dass selbst die hochdekoriertesten Sommeliere keinen Weiß- von Rotwein unterscheiden können, wenn dieser nur identisch temperiert in blickdichten Gefäßen gereicht wird.
Nachdem ich nun auch jeden noch so Klatsch- und Tratsch-begierigen Leser mit intimsten Details meines nähenden und zähneputzenden Privatlebens gefüttert habe, möchte ich zurückkehren zu den Wurzeln dieses Blågs, welches (wie der betagte Leser weiß) selbstverständlich nur zu dem Zweck gegründet wurde die Schlechtheit der Welt im Allgemienen und die der Menschheit im Speziellen zu beklagen und wortreich zu beschimpfen. Und welcher Teil der Menschheit ließe sich besser beschimpfen als das nahe Umfeld das sich Kommilitonen nennt. (Da braucht man mehrere Jahre, um das korrekte Ausschreiben dieses Wortes zu lernen und wenn man es dann kann, ist es zu spät!)
Wer schon einmal im TU-Film war, welcher (seit Neuestem?) in total trendiger Kleinschreibung “tu film” heißt, weiß wovon ich spreche. Für den Rest möchte ich die schönsten Momente meines neulichen Besuchs des an sich großartigen Eastwood-Streifens kurz schildern. Wie immer beginnt es natürlich mit Susan und dagegen, dass es mit Susan beginnt, ist natürlich auch gar nichts einzuwenden. Es ist eine soziologische Aufgabe auf Grundschulniveau, dieses “Susan”-Mitschreien als steinzeitliches Abgrenzungsritual zu erkennen und nicht einen einzigen Menschen möchte ich verurteilen, der an diesem feinen Ritus der total eingeschworenen TU-Film Gesellschaft teilnimmt. Da fühlt man sich stark. Da ist man mal was. In einer Gesellschaft voller Nerds kann sich der Nerd endlich akzeptiert und wohl fühlen, aber muss es denn gleich soweit gehen, dass einzelne Leute dazu übergehen, wie in religiöser Ekstase den gesamten Text der Werbung mitzuplappern?
Aber gut, das ist die Werbung, da geht es rund, da darf sich der Zuschauer die Hörner abschlagen und das ist auch gut so, denn nur so bekommt er (möchte man meinen) einen klaren Kopf für den Hauptfilm.
Und dieser bezieht ja ganz klar Stellung für Toleranz und gegen Ausländerfeindlichkeit und Vorurteile, indem er die Entwicklung des Korea-Veterans Walt vom rassistischen Arschloch hin zum einfühlsamen helfenden Nachbar beschreibt, der am Ende sogar sein Leben für das des Asiaten Thao opfert.
Und so fallen auch in der ersten Hälfte des Films die damals von Walt noch ernst gemeinten Sätze: “Was habt ihr Bimbos vor?” Schallendes Gelächter im Kino. “Schweine wie euch haben wir in Korea zwei Meter hoch gestapelt und als Sandsäcke benutzt.” Brüllen vor Lachen, es wird zustimmend auf die Bänke geklopft. “Hast du ‘nem armen Blinden sein Geld abgeluchst, du alter Jude?” Selbiges. So weit so schlimm. Doch was geschah dann? Thaos Schwester überredet Walt dazu, ihr auf ein Grillfest in das Haus der asiatischen Familie zu folgen. Walt kommt mit, das Kino kann sich nicht halten vor Applaus. Versöhnung. Alles ist gut. Bald ist Weihnachten. Und zwar frohe!

2 Kommentare »

  1. lila says

    sollte der geübte kritiker einen neuen blåg artikel tatsächlich nach dem ersten satz beurteilen so muss er dieses mal bitter enttäuscht verpackungsmaterial ploppen lassen welches eigentlich dem autor zugedacht war.
    falls es möglich ist könnte der geneigte autor doch folgenden subversiven und zugleich ungemein heimeligen satz an den anfang verlegen: “Wäre ich Reinkarnations-Ahnenforscher, so würde ich mich mit großer Freude auf die Suche nach dem Vorvermieter meiner Seele machen.” (und auf die des verschwundenen h-s)
    der autor mag politisch korrekt sein. das publikum nicht.

    Januar 6th, 2010 | #

  2. lila says

    hui. da vokale sowieso ihnen gehören obliegt es auch ihnen die korrektur am a vorzunehmen.
    h-s jedoch sind meine.

    Januar 6th, 2010 | #

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